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Kursbericht: Physik Grundkurs bei Herrn Dürr

"Über die Entdeckung des Humors im Unbekannten"

Das Abenteuer "Physik-Grundkurs" begann mit einer bedrohlichen Ankündigung von Fr. Dr. Bielig-Schulz. Sommer 2003 vermeldete sie nämlich: "Physik-GK ist immer ein gewählter Grundkurs. Wer Physik als Grundkurs wählt, hat aus Interesse und nicht aus Not heraus gewählt !" Erstes Entsetzen breitete sich aus. "Aus Interesse gewählt?", dachte sich der Großteil der Schüler und erschrak ob der eigenen Wahlstrategie. "Wäre nicht doch Biologie die bessere Wahl gewesen?" Man bekam das Gefühl, in einen Kurs voller verkannten Physik-Leistungskursler geraten zu sein.

Glücklicherweise lag Fr. Bielig - vorsichtig ausgedrückt - nicht ganz richtig mit ihrer Prognose.

Aufgrund der überraschend abwechslungsreichen Lehrerverteilung im Fach Physik zwischen Leistungs- und Grundkurs, fiel Herrn Dürr wieder einmal die beneidenswerte Aufgabe zu, 25 enthusiastische Schüler/innen in die Geheimnisse der Physik einzuweihen. Bereits in der ersten Stunde wurde deutlich, wie falsch Fr. Bielig mit ihrer Prognose lag. Was eine kurze Wiederholung zum Thema "Elektrik" und Stromkreise werden sollte, entpuppte sich schnell als eine traurige Bestandsaufnahme mit kurz zusammengefasstem Ergebnis: Der Kurs hat keine Ahnung. Im Laufe der zwei Jahre sollte sich diese Haltung kaum ändern. Und so nahm die zweijährige Odyssee ihren Lauf. Für die meisten sollte es eine Reise durch immer neue Nebel bleiben, denn die Mysterien der Physik offenbarten sich uns nur höchst selten. Die meisten Stunden liefen folgendermaßen ab: Reiseleiter Dürr begann von einem rätselhaften Thema zu erzählen, ließ sich kurz darauf von einem Tafelbild aus vorausgegangenen Stunden ablenken (meistens Physik aus der 9. Klasse oder ähnlich anspruchsvoller Stoff), fragte uns kurz etwas dazu - nur um daraufhin festzustellen, dass uns auch dies nichts sagte - und versuchte sein eigentliches Thema fortzusetzen. Wovon wir meist noch weniger begriffen. Woran es lag, dass wir Stunde um Stunde wirklich rein gar nichts verstanden, ist im Nachhinein schwer zu erklären, wirklich schwer war der Stoff eigentlich selten - zumindest hatte man fortwährend den Eindruck einfachste Zusammenhänge nicht zu verstehen. Die einzigen Augenblicke der Erkenntnis stellten sich meist (manchmal leider auch nicht...) kurz vor den Klausuren ein. Es ist ja allgemein bekannt, dass Menschen in Zeiten der Krise eine verstärkte Solidarität entwickeln, näher zusammenrücken und versuchen schlechte Perioden gemeinsam durchzustehen - so geschah es auch angesichts unseren Klausuren. Und so kam es zum regelmäßigen Treffen von Arbeits- und Lerngruppen - ein Phänomen das in keinem anderen mir bekannten Kurs so stark aufkam. Das Ergebnis waren Klausurresultate, die zwar weit über unserem eigentlichen Wissensstand lagen, sich aber trotzdem (zumindest teilweise) sehen lassen konnten. Auf diese und ähnliche Weise stand unsere noch relativ große Gruppe Themen wie Elektronik und Mechanik durch, in der Hoffung irgendwann einmal Spaß und Verständnis für Physik zu finden.

Eine vergebliche Hoffnung.

Denn im Gegenteil, Jahr Dreizehn brachte unserem mittlerweile schwer dezimierten und um die Hälfte geschrumpften Kurs unglaublich spannende und leicht begreifliche Themen, wie Quanten- und Kernphysik. Unser geliebtes Fach erhob sich auf ein völlig neues Abstraktionsniveau, wobei unser physikalisches Verständnis eher stagnierte, was zusammengenommen zu noch mehr Ahnungslosigkeit führte. Da Herr Dürrs durchaus engagierten Versuche uns etwas beizubringen einfach nicht fruchteten, griff der Kurs auf eine Waffe zurück, die er schon im Laufe der Zwölf verstärkt einsetzte: den Humor! Statt ernsthaft zu versuchen den uns vorgetragenen Stoff zu begreifen, verlegten wir uns darauf, über unser eigenes Unverständnis zu lachen. Und tatsächlich: Die neue Strategie brachte erste Erfolge. Zwar verbesserten sich die Noten nicht wirklich - eher im Gegenteil - aber besonders die Doppelstunden am Donnerstag Nachmittag wurden dadurch deutlich lustiger. Zwar zweifelten wir anfangs noch, ob diese Taktik wirklich sinnvoll sei, doch ein Rückfall in unser altes, um Verständnis bemühtes Verhaltensmuster kam einfach (auch durch die Themen bedingt) nicht in Frage. Letzte Zweifel an unserem Vorgehen wurden beseitigt als Herr Dürr auf Nachfrage zugab, dass ihn das Thema, und Physik im Generellen, selbst nicht interessieren. Welch eine Erleichterung! Endlich war unsere Suche nach der verborgenen Faszination der Physik beendet! Völlig befreit von jeder falschen Begeisterung nahmen wir das letzte Halbjahr in Angriff. Einzig eine letzte Klausur stand noch als Hürde auf unserem Weg, und so quälten wir uns noch ein letztes Mal durch einen Lernmarathon und nahmen auch diese Hürde. Es war geschafft. Zwei Jahre Physik waren bewältigt und der Beweis erbracht, dass Physik nicht zwangsläufig ein bewusst gewähltes Fach sein muss, man keine Ahnung davon haben muss, um durchzukommen und vor allem, dass man sich auch ohne Interesse und Verständnis (teilweise) am Unterricht erfreuen kann. An dieser Stelle vielen Dank an Herrn Dürr, der trotz unserer offensichtlichen Leistungsschwächen, immer sehr nett und verständnisvoll geblieben ist!

Tim Poessnecker

 
 
 

Diese Seite wurde zuletzt am 01.08.2005 12:22 aktualisiert.
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