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Kursbericht: Kunst Grundkurs bei Herrn Poessnecker

Für die meisten von uns war der Mittwoch einer der angenehmeren Schultage: Wir konnten ausschlafen. Der einzige Nachteil war, dass wir bis um 15.00h oder noch länger Schule hatten. Im Gegensatz zu dem allgemeinen Nachmittagsunterricht war der am Mittwoch aber wohl eher lustig als anstrengend. Der simple Grund: Es war Kunstunterricht bei Herrn Poessnecker.

Ein Garant für Spaß statt Anstrengung und auch für ehrlich gemeinte Ratschläge statt sturem Schulwissen büffeln. Dementsprechend war auch die Stimmung während der Stunden. Der ganze Kurs hatte etwas zu lachen, anstatt wie in so vielen anderen Fächer nur stur nach vorn zu starren.

Der Hauptgrund für die meist auftretende Vorfreude auf diesen Unterricht war aber wohl nicht unser ungezügeltes Interesse an Kunst und Architektur, sondern der Spaß, den wir neben Dias, Theorie und Zeichnungen hatten. Dieser ging aber nicht, wie man jetzt vielleicht vermuten könnte, von den Unterhaltungen aus, die wir untereinander führten, sondern von den Gesprächen, die wir alle, inklusive unseres kunstbegeisterten Mentors, führten. Selten schweiften wir dabei vom Thema ab, aber, wie auch immer er es angestellt hat, schaffte es Hr. Poessnecker doch immer, die trockene Kunst oder starre Architektur mit Leben zu füllen. Klappte dies mal nicht nur durch seine eindringenden Worte, so wurde auch spontan eine Exkursion gestartet, die uns die Kunst in unserer Stadt näher bringen sollte. So ging es eines schönen Mittwochs ohne Vorankündigung hinunter zur Dresdner Bank auf der Wilhelmstraße, wo einige von uns die dort stehende Statue "nachahmen" sollten; ein witziges Bild für jeden Autofahrer, der sich während der roten Ampelphase am Anblick von ineinander verkeilten Schülern ergötzen durfte..

Obwohl man den Kunstunterricht sonst eher als theoretisches und mehr oder weniger trockenes Fach kennt, war in unserem Kurs alles anders. Nicht nur, dass wir mit Leibesübungen am Unterricht beteiligt wurden, es wurde auch durch das stetige Aufrufen dafür gesorgt, dass man immer wusste, worum es geht. Ob es aber wirklich war, um unsere mündlichen Noten zu verbessern, oder mehr um uns noch skurrilere Antworten über Kunstobjekte zu entlocken, konnten wir bis heute nicht klären. Aber welchen Grund es auch immer hatte, die andauernde Beteiligung belebte den Unterricht mehr als in jedem anderen Fach. Allein das ist schon eine große Leistung, denn es ist wohl für jeden verständlich, dass es nicht immer leicht ist, der Diskussion zu folgen, wenn man die Tiefsinnigkeit eines durchbohrten Steines oder einer blauen Postkarte ergründen soll. Doch das aufgerufen werden war für die meisten von uns keine Qual, wie es sonst oft ist. Einigen hat es sogar tiefe Freude bereitet, aufgerufen zu werden, da man immer auf eine lustige Frage-Antwort-Runde hoffen konnte. Erwähnt werden muss aber auch der Einfallsreichtum, den "unser" Hr. Poessnecker beim Aufrufen eines Schülers an den Tag legte. Neben den oft variierenden Namen, die er uns gab (manchmal schlicht und einfach der Nachname, manchmal aber auch Abwandlungen des Vornamens, wie z.B. bei Patrick, der auch schnell mal zu einem Moritz wurde), konnte man durchaus auch mal mit einer Statue oder einem ganz anderen Namen wie "Physiker" oder "Hauptkritiker" angeredet werden. Absolute Höhepunkte und unvergessen bleiben aber die Sätze, in denen unser Kunst-Genius die ihm stets ins Auge fallenden äußeren Besonderheiten, die ein jeder von uns aufweisen kann, mit viel Charme einbaute. Beispiele hierfür sind Komplimente über die "sexy Schuhe" oder die Frisur, von der er sagte, sie sei "so faszinierend, dass das Aufnehmen der Antwort unmöglich" sei.

Die angesprochenen Leibesübungen trugen für uns meist zwar nicht unbedingt zum tieferen Verständnis der Kunst bei, waren aber immer unterhaltsam (meist aber mehr für die, die sie nicht ausführen mussten). Das bloße Nachstellen von Bildern war noch die einfachere Variante. Komplizierter wurde es, wenn man imaginäre Löcher buddeln sollte, um das Bild zu interpretieren oder der gesamte Kurs versuchen musste, einen Himmel zu summen. Besonders gut können dies aber wohl Besucher unseres Kurses nachvollziehen. So z.B. Annette, die Dank Freistunden bei uns Gast sein durfte. Als Gegenleistung zu dem Obdach, das ihr geboten wurde, musste sie schwarze Striche und Punkte vorsingen, um uns allen die Aussage des Bildes zu verdeutlichen. Begründet wurde das mit dem Unterricht, den sie grade nicht hatte, dem Musikunterricht. Hätten unsere Gäste geahnt, was sie erwartet, hätte der eine oder andere wohl noch einmal darüber nachgedacht, ob er sich zu uns gesellt.

Letztendlich muss man sagen, dass unser Kunstunterricht mit Sicherheit für die meisten das mit Abstand lustigste Fach der Woche war. Neben dem Spaß hatten die Methoden des Hr. Poessnecker aber noch einen weiteren Vorteil. Nämlich den, dass das, was er sagte, auch im Gedächtnis blieb, ohne, dass man alles mitgeschrieben hat. Denn zu jedem Bild und jeder Aufgabe konnte man sich an eine Situation erinnern, kam einem ein Witz ins Gedächtnis oder dachte man an einen Ausspruch, den man wohl nicht so schnell vergisst. Am Besten lässt sich das verdeutlichen, wenn man an unseren Unterricht mit dem Thema Film & Werbung zurückdenkt. Wir sahen einen Film, den man als Klassiker bezeichnen kann, "Pulp Ficton". Doch wir haben den Film nie zu Ende gesehen, da wir uns hauptsächlich mit einer Szene beschäftigten, die in einem Café spielt. Hätten wir nun aufgeschrieben, wieso der Dreh so schwer war, wäre es schnell öde geworden. Wir hingegen musste die Szene nachspielen und auch die Kameraführung nachstellen, was sich schwieriger gestaltete, als man im ersten Moment vermuten könnte. Mitgeschrieben haben wohl die wenigsten, aber zumindest ich werde wohl jedes Mal, wenn ich den Film sehe, daran zurückdenken, wie einige von uns an Tischkanten lagen, um die auf dem Stuhl hängenden zu "filmen".

Mit Sicherheit aber ist der Mann mit dem "geschorenen Kopf" (seine Aussage) der Lehrer, den man als Kumpeltyp bezeichnen kann. In seinem Unterricht ist an Langeweile nicht zu denken. Wenn man mal den Mut zum Weitermachen verliert, erzählt er einem gerne, dass auch er nicht immer Spaß am Lernen hatte und macht damit Mut. Er ist einer von den Menschen, die einem mit ihrer Einstellung vermitteln, dass im Leben nicht alles Spaß macht und sicher auch nicht alles seinen Sinn hat. Er macht einem aber auch klar, dass man, je schneller man sich damit abfindet, umso schneller damit umgehen kann. Dadurch hat er es geschafft, so manche Lustlosigkeit vor dem Abitur zumindest für einen Moment zu vertreiben. Seine realistische Sicht der Dinge hat auch verdeutlicht, dass wir als Schüler nicht alleine sind, wenn wir in manchen Regeln nicht unbedingt einen Vorteil und die Logik schlechthin erkannt haben.

Ein weiteres Merkmal seines Unterrichts war die Freude, die dieser wohl außergewöhnliche Kunstlehrer an den Tag legte. Man kann zu Lehrern stehen wie man will, aber obwohl es eine Menge von Ihnen gibt, die Spaß an ihrem Beruf haben, gibt es auch einige Beispiele, die wohl schon länger nicht mehr aus Freude unterrichten. So eine Einstellung habe ich bei Hr. Poessnecker während meiner Zeit in seinem Unterricht nicht erlebt. Jeder hat mal einen schlechten Tag, doch wir haben das nie zu spüren bekommen. Herzhaftes Lachen war deutlich häufiger zu hören als meckern.

Ein letztes Wort noch zu den praktischen Arbeiten. Man wird von ihm fair benotet und trifft eigentlich mit allem seinen Geschmack, wenn man sich ein wenig anstrengt. Was man allerdings beachten sollte, ist, dass man sofort klärt, was genau gemeint ist. Sonst vergehen von der Bekanntgabe der Aufgabe bis zum wirklichen Verstehen, was man denn überhaupt machen soll, schon mal zwei bis drei Wochen.

Das war bei uns auch so, doch man muss sich nur trauen zu fragen. Hr. Poessnecker ist stets offen für Fragen und gibt sich wirklich Mühe, sie zu beantworten. Es kommt zwar auch mal vor, dass man sich auch nach der Unterhaltung noch nichts darunter vorstellen kann, aber dann kann man immer weiterfragen. Laut eigener Aussage ist er auch immer offen für konstruktive Kritik und Fragen zu seiner Aufgabenstellung bei praktischen Arbeiten oder in Klausuren. Man muss ihm aber verzeihen, wenn man nicht sofort versteht, worauf er hinaus will. Oft kann er es selbst erst nach kurzem Nachdenken in für uns verständliche Worte fassen.

Als er wegen einer Knie-OP im Krankenhaus und lange Zeit nicht da war, kamen in manchen Gefühle auf, die gegenüber Lehrern in solchen Situationen selten auftreten: Mitleid und Sorge. Aber erst nachdem er wieder da war und uns den Mittwoch Nachmittag wieder versüßte, merkten diese mitfühlenden Schüler wieder, was wirklich gefehlt hat.

In seinem Fall ist es möglich, persönliche Gespräche zu führen, anstatt nur über Schule und Noten zu reden. Aus sicherer Quelle weiß ich, dass es sogar möglich ist, einen Abend mit ihm zu verbringen, der wohl eher feucht-fröhlich endete, als mit ernsten Gesprächen am Leben erhalten wurde.

Schließlich noch ein Tipp für alle, die die Wahl des Kunstunterrichts noch vor sich haben: Der Kurs von Hr. Poessnecker ist wirklich empfehlenswert. Sicher bekommt man keine Noten geschenkt, aber wenn man ein bisschen Engagement zeigt, kann man viel erreichen. Zugegeben: Seine Aussagen über anstehende Klausuren sind meistens mehr als spärlich. Das liegt aber nicht an seinem Willen, uns nichts mitzuteilen, sondern eher daran, dass er Klausuren erst im letzten Augenblick verfasst.

Das Fazit ist also, dass dieser Kunstkurs mehr Spaß als Anstrengung ist und die Arbeit, die man vor allem in praktische Arbeiten stecken sollte, wirklich belohnt wird. Da er aber wohl noch viele Jahre an der Schule bleibt und euch mit seinem Unterricht belohnt, muss man sagen, dass euch mit ihm, im Gegensatz zu uns, ein echter "Star" erhalten bleibt.

Maurice Henk

Ein Garant für Spaß statt Anstrengung und auch für ehrlich gemeinte Ratschläge statt sturem Schulwissen büffeln

Seine Aussagen über anstehende Klausuren sind meistens mehr als spärlich. Das liegt aber nicht an seinem Willen, uns nichts mitzuteilen, sondern eher daran, dass er Klausuren erst im letzten Augenblick verfasst.

Kursbericht: Kunst Grundkurs geschrieben von Herrn Poessnecker höchstpersönlich

Es war nicht so, dass sich dem Kunstlehrer bei der Betrachtung des Kurses die wesentlichen Fragen, gar nach dem Sinn des Daseins aufgedrängt hätten. Im leichten Wind des frühen Nachmittags war er in seinen Arbeitsraum gekommen, sterile Tische, eine Folge von Fenstern, Schränke an der Rückwand. Wie hatte er mit diesen Schülern gelebt : In all den Jahren, ohne Zwist, ohne großes Missverstehen, freundlichen Blickes, mit manchem Lachen. Gut. Er mochte die jungen Leute. Und nun ?

Es würde ein grauer, lastender Tag werden, sehe ich "meinen" Maurice, Elijah oder die amüsante Stefanie nicht mehr, dachte er. Sicher war er Lehrer genug, wusste also, dass die Schulzeit für Schüler endlicher war als für ihn. Er, den es immer zur Freiheit der Kunst zog. Sein Name war den Schülern bekannt, doch wer waren sie ?

Katharina, ganz einer inneren Zeitlosigkeit zugehörig, war stets sein direktester Blickkontakt. Eher ein Mensch des Tages, sie, in all ihrer Ruhe. Ganz den nächtlichen Obsessionen und dem blauen Dunst verfallen, ein Teil der staatlich anerkannten Szenegeneration und dennoch unterrichtsaktiv, Inge. Eine Künstlerin des großen Gesprächs. Tief im Kampf um den auch möglichen Begriff, in das farbige Denken verstrickt, war es immer Benedikt, der, die Moderne vergessend, ganz der Postmoderne heiter zugewandt lebte. Eine Gruppe mit Beat ! Hey, hey, hey, mit Freude an die Tafel. Es galt die Dinge raus zu lassen !

Elijah, dessen Wohlklang in der Stimme stets das Schöne der Kunst als Abglanz der Wirklichkeit erkennen ließ, vollzog dabei die nachvollziehbarsten Wechsel seiner äußeren Identität. Man dankte für all die wunderbaren Frisuren. Weniger wechselhaft, Matthias, ein stiller Poet. Seine "Drei von der Tankstelle", das waren Patrick, Meister bildnerischer Konnotation und verflüsterter Beiträge, Paul, geschätzter Sohn seines Studienkollegen in Sachen Kunst und zuletzt Philipp. In der Philipp - Wolfrum - Straße wohnte die alte Patentante des Kunstlehrers. Das brachte einander näher. Ein Langaufbleiber der aktuellsten Sorte, dabei von schönem Antlitz und wahrer Lebensfreude, Maurice. Randständig nur als Mitglied von New Bohemia erkennbar : Gisela, deren blitzsauberer Diamant des rechten Vorderzahns ihn immer lustigst anlächelte. Stefanie jedoch, stand mitten drin in diesem kunterbunten Leben. Auch ihre unterrichtliche Eignung war kaum zu beschreiben. Viele Wege waren zu gehen mit ihr. Ihre Sommersprossen flogen quer durch den Raum zu Mona, trickreich und von deutlich hellstem Wesen. Dort war dann auch Lena findbar, jene schnell redende, wenn sie es tat, modische Kraft, die all ihr Können der Reorganisation des unterrichtlichen Seins als sinnvolle Bestrebung verschrieben hatte. Oft im Gegensatz zum Rest des Kurses.

Jetzt blinzelte er. Bald würde es Sommer sein, die Abendwinde mild und tröstend. Er dachte an die vergangene Zeit, die ja auch seine Lebenszeit war und sehnte sich nach einem Glas Wein. Denn rauchen durfte er ja nicht mehr...

Ich danke Euch für die gute Zeit miteinander. Hoffentlich war sie für Euch auch voller Bedeutung, Freude und zukunftsträchtig ! Dorthin geht. Erinnert Euch.

Uli Poessnecker, im April 2005

 
 
 

Diese Seite wurde zuletzt am 01.08.2005 12:22 aktualisiert.
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